| Manch
einer fragt sich ja regelmäßig vor Beginn der neuen
Saison, wie man denn so drauf sei tennismäßig oder
frei nach Andy Möller, welches Gefühl man so vom
Feeling her habe. Weil man selten Anhaltspunkte
hat, wie es denn so um die Leistungsfähigkeit bestellt
ist, überschätzt man sich häufig bzw. man unterschätzt
sich. Das Zweite ist nicht ganz so gravierend, weil
man dann wohl positiv von sich überrascht ist. Um
sein Können rasch beurteilen zu können, hat unser
sozialwissenschaftlicher Leiter im Vorstand einen
kleinen Schnelltest entwickelt, der zur Leistungsbeurteilung
dient. Machen Sie doch den Selbstversuch, lesen
Sie die Fragen und errechnen Sie Ihren persönlichen
Leistungsstand.
Sie kommen zum ersten Mal in der Außenplatzsaison
auf den Platz und denken sich auch noch, hier
fehlt doch was. In der Tat nach kurzer Erinnerung
an den Aufbaukurs Tennis II vom Vorjahr wird Ihnen
gewahr, dass der Zaun in der Mitte zur Trennung
der Spielhälften fehlt. Was denken Sie?
a) Der Vorstand hat schon wieder beim Arbeitseinsatz
geschlampt. (5 Punkte)
b) Alles muss man selbst machen, dabei habe
ich erst beim Arbeitseinsatz vor sechs Jahren geholfen,
die Bierflaschen in der Mittagspause aufzumachen.
(10 Punkte)
c) Egal, fangen wir erst mal so an, dann
braucht man sich auch nicht so zu ärgern. Hoffentlich
hängt nächste Woche das Netz wenigstens wo es soll.
(15 Punkte)
Die ersten Ballwechsel mit ihrem Spielpartner
verlaufen grauenerregend. Sie treffen nur jede
zwölfte Pille, die Ballwechsel werden grundsätzlich
nach dem Rückschlag beendet, und Sie verbringen
die meiste Zeit mit der Ballsuche im Gebüsch.
Was geht Ihnen durch den Kopf?
a) Jedes Jahr dieselbe Scheiße. Die Plätze
im Arsch, der Wind kommt von allen Seiten, die Linien
gucken zwei Zentimeter aus dem Boden, die Sonne
verblitzt mir die Augen. Wenn ich nicht so gut heute
wäre, würde das ganze noch in Selbstzerfleischung
enden. (15 Punkte)
b) Warum muss ich eigentlich die Bälle suchen
gehen. Das könnten ja mal schön andere machen. Wenn
man schon mal dabei ist, ein paar Inder ins Land
zu holen, könnten die sich ja auch hier mal nützlich
machen. (10 Punkte)
c) Warum tue ich mir das an? (5 Punkte)

Sie
bemerken, dass ihnen die Luft ausgeht, nachdem
sie ans Netz sprinten, um einen Stopp zu erlaufen,
um
anschließend ansehen zu müssen wie der Lob ihres
Gegners auf der Grundlinie aufklatscht. Woran liegt
das?
a) Der Platz ist eindeutig größer geworden.
(10 Punkte)
b) An der Kondition kann das gar nicht liegen,
das muss das Kalbsschnitzel von heute Mittag sein.
(5 Punkte)
c) Der hat die ganze Zeit nur Sonne, Netzroller,
Linienbälle. (15 Punkte)
Beim ersten Seitenwechsel (Sie
haben das erste Spiel zu Null verloren und es ist
abzusehen, dass auch die weiteren Spiele flöten
gehen) bemerkt ihr Gegner, er habe seit drei Jahren
keinen Schläger mehr in der Hand gehabt, er laboriere
zudem noch an einem Muskelabriss im Oberschenkel
und dass es deshalb heute nicht ganz so gut laufe.
Wie reagieren Sie? 
a)
Sie fangen innerlich an zu heulen. (15 Punkte)
b) Sie schenken das Spiel und sagen, dass
sie ihn unter solchen Umständen natürlich nicht
abziehen könnten. (5 Punkte)
c) Sie antworten, dass das noch gar nichts
sei. Sie seien erst vor drei Stunden von einer
zwölfwöchigen
Camel-Trophy-Tour zurückgekehrt, ihnen fehlten mindestens
sechzehn Tage Schlaf, sie seien lebensgefährlich
durch einen Schlangenbiss verwundet worden und laborierten
noch ein wenig am Lassafieber, wodurch ihre Leistungsfähigkeit
verständlicherweise etwas geschmälert sei. (10
Punkte)
Das Spiel endet nach exakt 27
Minuten (mit Einspielzeit) 0:6 1:6 gegen Sie. Welche
Lehre ziehen Sie daraus? a) Besser ein Punkt
als gar keiner. (10 Punkte)
b) Der Gegner hatte nur Glück, bei mir sind
alle Bälle versprungen, der Wind ging nur auf meiner
Seite. Ansonsten hätte ich klar gewonnen. (15 Punkte)
c) Ich höre auf, Tennis zu spielen. (5 Punkte)
Ergebnisse:
1. 25 bis 35 Punkte: Machen Sie sich keine Sorgen.
Ihr Tennis ist OK, auch wenn es vielleicht ein schlechter
Tag war.
2. 35 bis 50 Punkte: Betrügen Sie sich getrost
weiter selbst. Nichts ist schlimmer, als das eigene
Versagen unter den Tisch zu kehren. Noch ist aber
Hopfen und Malz nicht verloren. Mit ein bißchen
Training und der Lektüre von einschägigen Kapiteln
aus "Winning Ugly" haut es beim nächsten Mal auch
wieder hin.
3. Mehr als 50 Punkte: Hören Sie auf Tennis zu
spielen! Sie haben kein Talent, können nicht verlieren
und sind alles in allem ein miserabler Tennisspieler
und taugen auf dem Tennisplatz höchstens zum Balljungen.
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